Geschwister: „Handball über Muttermilch bekommen“

Interview:

Maike Merz (geborene Schilha) und Schwester Tanja Schilha stehen vor ihrem nächsten großen Highlight ihrer Laufbahn als Handball-Schiedsrichterinnen. Die beiden Tettnangerinnen fliegen am Samstag in die Slowakei, wo die beiden für die IHF bei der U-18-WM der Frauen im Einsatz sein werden. Thomas Schlichte hat mit den beiden gesprochen.

Am 16. Juli hebt Ihr Flieger in Richtung Slowakei ab. Sind Sie schon aufgeregt?

Mit einem Wort „total“. Da es sich um unsere erste Weltmeisterschaft handelt, sind wir auch unglaublich gespannt auf das ganze Drumherum.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie denn in diese U18-Weltmeisterschaft?

Wir freuen uns auf den Austausch mit Kollegen aus der ganzen Welt und denken, dass wir unheimlich viele Eindrücke mit nach Hause bringen werden. Sportlich gesehen hoffen wir natürlich, dass wir möglichst viele Spiele leiten dürfen und die Erwartungen, welche von der IHF an uns gestellt werden, erfüllen können.

Was haben Sie gedacht, als Ihnen der DHB mitgeteilt hat, dass Sie beide dabei sein dürfen?

Wir waren unglaublich stolz. Sein eigenes Land bei einer Weltmeisterschaft vertreten zu dürfen, ist eine große Ehre und vermutlich das, worauf beinahe jeder Leistungssportler hinarbeitet. Gleichzeitig bringt eine solche Nominierung aber auch viel Druck mit sich.

Das heißt?

Man stellt sich gleich ein paar Fragen wie beispielsweise: Bekommen wir für diesen Zeitraum problemlos Urlaub? Können wir den Anforderungen gerecht werden? Wie können wir uns optimal vorbereiten?

Wie lange müssen Sie sich auf ein solches Event vorbereiten?

Wir haben international zwei Trainingsprogramme durchlaufen. Zunächst haben wir am „EHF Young Referee Programm“ teilgenommen. Dort haben wir in verschiedenen Kursen (meistens ein- bis zweiwöchige Turniere) unter Beweis stellen müssen, dass wir das Zeug zum europäischen Schiedsrichter haben. Nach erfolgreichem Abschluss dieses Programms, das über zwei Jahre hinweg dauert, haben wir den „EHF-Status“ als Schiedsrichter erlangt und waren somit berechtigt, internationale Spiele im europäischen Raum zu leiten.

Und dann nahmen die Dinge ihren Lauf?

Nun, nachdem wir einige internationale Begegnungen im Europapokal oder EM-Qualifikationsspiele erfolgreich geleitet haben, hat uns der DHB gemeinsam mit der EHF für das „Global Referee Training Programm“ der IHF vorgeschlagen. Ziel dieses Programms der IHF ist es, die weltweit besten Kontinental-Schiedsrichter zu sichten und bei gegebenem Potenzial auf den Stand eines IHF-Schiedsrichters zu entwickeln. Wir haben in diesem Zuge zwei einwöchige Lehrgänge in der Schweiz und in Schweden besucht und wurden anschließend zu IHF-Schiedsrichtern benannt.

Was lernt man denn in solchen Kursen genau?

In diesen Kursen haben wir sehr viel über das internationale Geschäft und vor allem das ganze Drumherum gelernt. Man muss jedoch dazu sagen, dass wir durch die hervorragende Lehrarbeit in Deutschland mit einem hohen Kenntnisstand in beide Kurse starten konnten.

Wissen Sie schon, welches Land, Turnier oder Wettbewerb als nächstes auf Sie beide wartet?

Nein. Allgemein finden die Ansetzungen sowohl im DHB, der EHF als auch der IHF sehr leistungsbezogen statt. Entsprechend kurzfristig werden die Nominierungen vorgenommen, um für das jeweilige Event die aktuell leistungsstärkste Besatzung dabei zu haben. Nach der Slowakei wartet allerdings sicherlich zunächst einmal die deutsche Liga auf uns, die im September nach der Sommerpause wieder Fahrt aufnimmt.

Sie haben beide lange Zeit selbst gespielt. War es schwer, die Seiten zu wechseln?

Handball haben wir bereits über die Muttermilch bekommen (beide lachen). Wir waren tatsächlich jahrelang begeisterte Spielerinnen und hätten uns selbst lange nicht vorstellen können, jemals einen solchen Weg einzuschlagen. Je höher es jedoch ging, desto professioneller wurde mit uns gearbeitet. Und entsprechend sind auch die Anforderungen an uns gewachsen. Wir sind beide sehr ehrgeizig und haben großen Spaß daran gefunden, im „Klein-Team“ durch Fleiß viel zu erreichen. Die sportliche Anforderung an uns ist unheimlich groß, weshalb wir uns als wirkliche Sportler betrachten.

Juckt es bei Ihnen beiden ab und an dennoch in den Fingern?

Jeder, der mal einen Mannschaftssport gemacht hat, weiß, wie wertvoll eine Mannschaft ist. Wir trainieren daher nach wie vor bei unserem alten Team (SG Argental, Handball-Landesliga, Anmerkung der Redaktion) mit und genießen die Zeit sehr. Natürlich würde es ab und an mal kitzeln. Beides zugleich ist aber nicht denkbar. Wenn man etwas gut machen will, muss man eben alles dafür geben.

Wie schaffen Sie es, die Schiedsrichterei, den Beruf und die Familie unter einen Hut zu bringen?

Das ist manchmal gar nicht so einfach und funktioniert nur, weil unsere Familie uns bedingungslos unterstützt. Unsere Eltern und Partner fahren unheimlich oft zu den Partien mit. Bei Bundesligaspielen unter der Woche könnten wir beispielsweise nachts nach einem anstrengenden Spiel nicht mehr alleine zurückfahren. Und: Früher oder später würden uns die Urlaubstage ausgehen. Auch unsere Freundeskreise spielen eine große Rolle. Da wir die Spielansetzungen meist kurzfristig erhalten, kommt es nicht selten vor, dass wir ein Treffen, einen Geburtstag oder sonstige Feierlichkeiten kurzfristig absagen müssen. Wir sind einfach in Summe schwer planbar.

Also haben Sie nicht viel Zeit für private Dinge?

Für privaten Urlaub bleiben, gerade wenn man für ein Großevent nominiert wird, leider nicht mehr viele Urlaubstage übrig. Aber: Wir selbst haben uns ja bewusst für diesen Weg entschieden. Dass unsere Partner jedoch so bedingungslos hinter uns stehen, sehen wir als keine Selbstverständlichkeit an. Wäre das nicht der Fall, würde das Kartenhaus zusammenbrechen.

Verfolgen Sie beide das Handballgeschehen in der Region noch, speziell von „Ihrer“ SG Argental?

Natürlich. Die SGA wird immer unser Verein bleiben. Wir haben uns unglaublich gefreut, dass die Mädels den Wiederaufstieg (zur Landesliga, Anmerkung der Redaktion) und nun den Klassenerhalt gepackt haben und schauen uns, wenn es die Zeit zulässt, die Heimspiele auch an.

 

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