Schwestern Merz/Schilha pfeifen DKB HBL-Partie

Schwestern Merz/Schilha pfeifen DKB HBL-Partie: „Männer sind in der Kommunikation oft sogar einfacher als Frauen“

 

Seit 2009 hat kein weibliches Schiedsrichtergespann mehr ein Spiel in der 1. Handball-Bundesliga der Männer geleitet. Neun Jahre nach dem letzten HBL-Einsatz des Frauenteams Jutta Ehrmann-Wolf und Susanne Künzig ist es nun wieder soweit: Die Geschwister Maike Merz (geborene Schilha) und Tanja Schilha wurden für die Partie FRISCH AUF! Göppingen gegen GWD Minden (Sonntag, 27. Mai) angesetzt. Und das, obwohl Männerspiele zu Beginn ihrer Karriere gar nicht im Fokus standen.

Frau Merz, wie haben Sie reagiert, als Sie erfahren haben, dass Sie zusammen mit ihrer Schwester in die Fußstapfen von Jutta Ehrmann-Wolf und Susanne Künzig treten und ein Spiel der DKB HBL leiten werden?

Maike Merz: Wir haben uns wahnsinnig gefreut. Das ist gerade eine unglaublich spannende Zeit für uns. Erst am Sonntag durften wir das Pokalfinale der Frauen in der Stuttgarter Porsche-Arena pfeifen und nun steht direkt das nächste Highlight an.

 

War es denn ein konkretes Ziel von Ihnen, irgendwann einmal auch in der höchsten männlichen Liga zu pfeifen?

Tanja Schilha: Als der DHB 2011 begann, gezielt Frauenteams und damit auch uns zu fördern, lag der Schwerpunkt zunächst auf der 2. Liga der Frauen, mit dem Ziel weibliche Schiedsrichter in der 1. Liga der Frauen zu etablieren. Erst in den letzten Jahren kamen Ansetzungen in der 3. und später auch in der 2. Liga der Männer hinzu.

Maike Merz: In jeder Liga, die man pfeift, kommt man an einen Punkt, an dem man sich weiterentwickeln will. So haben uns die Spiele in der 2. Liga der Männer zum Beispiel geholfen, um uns auf internationale Spiele der Frauen vorzubereiten. Natürlich entwickelt man dann auch das Ziel, es bis in die 1. Liga der Männer zu schaffen.

 

Und wie bereiten Sie sich nun auf Ihre Premiere vor?

Maike Merz: Wir versuchen immer so wenig wie möglich an unseren Abläufen zu ändern. Wir gehen das Spiel so an, wie jedes andere auch. Das gibt eine gewisse Sicherheit. Jede neue Liga stellt eine neue Herausforderung dar. Wir wollen möglichst unauffällig durch das Spiel kommen, das ist eigentlich immer das Beste als Schiedsrichter.

 

Und wie unterscheidet sich der Männer- vom Frauenhandball für Sie als Schiedsrichterinnen?

Tanja Schilha: Der größte Unterschied ist unserer Meinung nach das Kreisläuferverhalten. Bei den Frauen geht am Kreis zwar auch einiges ab, bei den Männern wird aber schon noch mal härter zugepackt. Da sind die Teams in der ersten Liga eine gewisse Linie gewohnt, die muss man entsprechend finden.

 

Und wie waren Ihre bisherigen Erfahrungen bei Spielen der Männer?

Maike Merz: Da haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, bisher sind alle Spiele gut gelaufen. Die Männer sind in der Kommunikation oft sogar einfacher als Frauen.

Tanja Schilha: Wenn ich unseren Einstieg in der 2. Liga der Männer mit dem in der 1. Liga der Frauen vergleiche, war es bei den Männern einfacher. Ich denke, dass Frauen Frauen gegenüber oft noch kritischer sind. Die Männer haben es uns da recht einfach gemacht. Ich hoffe, dass das auch am Sonntag so sein wird (lacht).

 

Hilft es Ihnen in der Kommunikation untereinander, dass Sie Schwestern sind?

Tanja Schilha: Während dem Spiel glaube ich nicht, dass es da einen Unterschied zu anderen Schiedsrichtergespannen gibt. Im Umgang mit Kritik im Team glaube ich aber schon, dass es von Vorteil ist. Wir sind es von klein auf gewohnt, uns zu streiten und auch wieder zu vertragen (lacht).

 

Was meinen Sie, warum hat es neun Jahre gedauert, bis wieder ein Frauenteam in der DKB HBL pfeift?

Tanja Schilha: Ich denke, es haben eine Zeit lang einfach die Vorbilder gefehlt. Und wo es keine Vorbilder gibt, da gibt es auch keine Nachahmer. Talentierte junge Schiedsrichterinnen konnten nicht sehen, was man als weibliches Gespann erreichen kann.  

Maike Merz: Als wir angefangen haben zu pfeifen, gab es kaum Frauen als Schiedsrichter. Daher war man immer gleich sowas wie ein `Highlight` in der Halle, was man als Schiri ja eigentlich gar nicht sein will. Da tut man sich gerade in den Anfängen nicht immer so leicht.

 

Wenn Sie wählen dürften, welche Partie würden Sie gerne einmal leiten?

Tanja Schilha: An bestimmten Spielen kann ich das gar nicht festmachen. Am schönsten sind natürlich immer die Spiele, in denen es um etwas geht. Aufstieg, Abstieg oder Titel. Unser Ziel ist es, sportlich anspruchsvolle Spiele zu pfeifen.

 

Und was war das bisherige Highlight in Ihrer Karriere?

Tanja Schilha: Es ist immer wahnsinnig schön, wenn vor einem Spiel die Nationalhymne ertönt und man diese mitsingen kann. So wie am vergangenen Wochenende beim Pokalfinale. Das Pokalfinale können jedes Jahr immer nur zwei Schiedsrichtergespanne leiten, eines bei den Männern und eines bei den Frauen. Daher war das schon etwas ganz besonderes.

Maike Merz: Oh ja. Ich kann mich auch noch ganz genau an den Moment erinnern, als wir unser erstes Finale um die Deutsche Meisterschaft der B-Jugend gepfiffen haben und die Nationalhymne abgespielt wurde. Das war ein wundervolles Erlebnis.

 

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